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In den Museen ist der "Open Access"-Gedanke noch nicht angekommen, das wurde auf dem Essener Archivtag 2006 durch das Referat von Thilo Martini deutlich: http://archiv.twoday.net/stories/2843805/

Dass kulturgutverwahrende Institutionen (Archive, Bibliotheken, Museen) zu den Adressaten der Berliner Erklärung zählen, ist in dieser ohne weiteres nachlesbar. Diese verweist ausdrücklich auf die ECHO Charter, die sich ausschließlich dem freien Zugang zu Digitalisaten von kulturellem Erbe widmet:
http://echo.mpiwg-berlin.mpg.de/policy/oa_basics/charter

Der freie Zugang zu den Digitalisaten von kulturellem Erbe muss exakt den gleichen Regeln unterliegen wie der Zugang zu Zeitschriftenartikeln oder wissenschaftlichen Daten. Er muss also gewährleisten:
* die kostenfreie Nutzung der digitalen Reproduktionen
* die freie Weiterverwendbarkeit der Reproduktionen.

Gerade der zweite Punkt (Suber: Beseitigung der "permission barriers") wird gern unterschlagen.

Es ist klar, dass das übliche Bildrechte-Regime, das auch bei wissenschaftlichen Publikationen abkassiert, mit Open Access nicht vereinbar ist:
http://archiv.twoday.net/stories/2712317/

Bereits im Februar 2004 habe ich hier Überlegungen zum Open Access (OA) für Archivalien zur Diskussion gestellt:
http://archiv.twoday.net/stories/145113/

Bei der Frage, wie OA von Kulturgut im Rahmen der OA-Bewegung gefördert wird, liegt es nahe, sich an die institutionellen Unterzeichner der Berliner Erklärung zu halten.

1. Die Dresdener Kunstsammlungen

Auf der Website der Dresdener Kunstsammlungen, die zu den Erstunterzeichnern gehörte, kommt OA nicht vor bzw. der Begriff bezieht sich auf den Freihandbestand der Bibliothek:
http://www.google.de/search?num=100&hl=de&q=site%3Askd-dresden.de+%22open+access

Man sehe auch eine andere Suche.

Das Impressum enthält einen umfassenden Copyright-Vermerk, honrarfrei dürfen nur eigens freigegebene Bilder für Presseveröffentlichungen über Ausstellungen verwendet werden. Das Bildarchiv läuft nach den üblichen Regeln:
http://bildarchiv.skd-dresden.de/skddb/Start.jsp

Bei jedem Bild, auch den gemeinfreien (wir erinnern uns: nach herrschender Lehre entsteht bei der Reproduktionsfotografie kein Leistungsschutzrecht nach § 72 UrhG), ist eine Veröffentlichungsgenehmigung erforderlich.

Bei einer Auflage von unter 3000 Stück kostet eine Publikation in einem Buch 75 Euro Reproduktionsgebühr. Ermäßigung gibts nur für Schulbücher und Nachauflagen. Zu dieser Bildrechte-Tyrannei:
http://archiv.twoday.net/stories/3440388/

Die Bilder der Website des Bildarchivs sind für wissenschaftliche Zwecke zu klein und dafür auch nicht gedacht.

Bei den Publikationen sieht es niederschmetternd aus. Wissenschaftliche Veröffentlichungen sollten Open Access zur Verfügung stehen, aber ich finde keinen einzigen Volltext auf der Website, es gibt noch nicht einmal einen einzigen Aufsatz aus den Kunstblättern oder dem Jahrbuch, der OA ist:

http://www.skd-dresden.de/de/info/publikationen.html

Das Fazit ist: Die Dresdener Kunstsammlungen sind ihrem Auftrag gemäß der Berliner Erklärung von 2003, OA zu fördern, in keiner Weise nachgekommen. Es sind keinerlei OA-Aktivitäten registrierbar. Direktor Roth hat unterschrieben und beliebt das Thema seitdem zu ignorieren. Erbärmlich!

Sieht es bei der Leibniz-Gemeinschaft, zu der sechs hochrangige Forschungsmuseen gehören, besser aus?

2. Die allgemeine Position der Leibniz Gemeinschaft zu OA

Das Engagement der Leibniz Gemeinschaft für OA ist deutlich verhaltener als das der anderen Wissenschaftsorganisationen. Während sich die Fraunhofer-Gesellschaft, die Helmholtz-Gemeinschaft und die Max-Planck-Gesellschaft auf open-access.net präsentieren, zu den Unterstützern der Plattform gehören und auch z.T. beachtliche eigene Informationsangebote unterhalten, findet man bei der Leibniz Gemeinschaft nur dürftige Informationen zu OA.



Seit September 2005 gibt es einen eigenen Arbeitskreis, der einige wenige Dokumente zugänglich macht:
http://www.leibniz-gemeinschaft.de/extern/organisation/index_1.html
http://www.leibniz-gemeinschaft.de/extern/organisation/openaccess/dokumente.html

Solide Informationen über eine im November 2006 (?) durchgeführte Online-Befragung (wie viele haben sich beteiligt? usw.) fehlen. Angeblich befürworten 93 % der Befragten OA, angeblich wird etwa ein Viertel der Publikationen auch OA publiziert.

In den Dokumenten wird zwar das Problem von OA für Forschungsdaten angesprochen, dass sich OA aber auch auf Kulturgüter und daher auf das Kerngeschäft der Museen (aber auch des Herder-Instituts, das ja auch eigene Sammlungen unterhält) bezieht, wird überhaupt nicht als Problem wahrgenommen.

Hinsichtlich des allgemeinen OA-Engagements ist freilich als positiv zu registrieren, dass der AK OA im April 2007 einen eigenen Sprecher (Dr. Stempfhuber) gewählt hat und die "Umsetzung der Berliner Erklärung" vorbereitet:
http://www.wgl.de:8080/wgl/Presse/Leibniz-Nachrichten/Pr-455/LN31(05-2007).pdf

Mit Förderung der DFG soll die GIGA Journal-Family zu OA-Zeitschriften werden:
http://www.giga-hamburg.de/index.php?file=projekt_openaccess.html&folder=publikationen

Wie aber sieht es mit dem Kulturgut aus?

Im AK ist allerdings kein einziger Vertreter der Museen präsent, und bei einem Telefonat mit dem Geschäftsführer der Gemeinschaft vor einiger Zeit stellte sich heraus, dass tatsächlich aus diesem Bereich keinerlei OA-Aktivitäten bekannt sind.

3. Die geisteswissenschaftliche Sektion der Leibniz Gemeinschaft

Ich werde in loser Folge in diesem Weblog die Internetauftritte der einzelnen Institute der Sektion für Geisteswissenschaften und Bildungsforschung sichten und auf ihren OA-Gehalt befragen. Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass von einer Förderung von OA nicht oder kaum gesprochen werden kann.

http://www.wgl.de/extern/institutionen/index_2.html

Ich beginne mit dem Deutschen Bergbaumuseum Bochum.

Kommt der Begriff OA auf der Website vor?

Nein

Finden sich Publikationen aus der Arbeit des Museums im Volltext?

Nein, auch vergriffene Publikationen werden nicht als PDFs auf der Website bereitgestellt (anders als beim Herder-Institut).

Ist eine wissenschaftlich verwertbare Objektdokumentation vorhanden?

Der Internetauftritt des Museums enthält vergleichsweise wenige Bilder. Die unter montan.dok vereinigten Sammlungen haben keine durchsuchbaren Datenbanken, sieht man von der umfangreichen Bereitstellung von Findmitteln durch das Bergbauarchiv im Rahmen von archive.nrw.de ab. Über Digitalisate ist nichts vermerkt, es dürfte sie daher auch nicht geben.

Es gibt keinen Hinweis auf freie Lizenzen oder dergleichen.

Fazit: OA wird ignoriert.

WEITERE FOLGEN:

(2) Deutsches Institut für Erwachsenenbildung
http://archiv.twoday.net/stories/4073672/

(3)Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung
http://archiv.twoday.net/stories/4077508/

(4) Deutsches Museum
http://archiv.twoday.net/stories/4081646/

(5) Deutsches Schiffahrtsmuseum
http://archiv.twoday.net/stories/4085010/

(6) Germanisches Nationalmuseum
http://archiv.twoday.net/stories/4088349/

(7) Herder-Institut
http://archiv.twoday.net/stories/4091735/

(8) Institut für Deutsche Sprache
http://archiv.twoday.net/stories/4093621/

(9) Institut für Zeitgeschichte
http://archiv.twoday.net/stories/4096044/

(10) Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften
http://archiv.twoday.net/stories/4100507/

(11) IWF Wissen und Medien
http://archiv.twoday.net/stories/4103216/

(12) Institut für Wissensmedien
http://archiv.twoday.net/stories/4106159/

(13) Römisch-Germanisches Zentralmuseum
http://archiv.twoday.net/stories/4106227/

(14) Zentrum für Psychologische Information und Dokumentation
http://archiv.twoday.net/stories/4110473/

Resümee:
http://archiv.twoday.net/stories/4113065/
MaxStempfhuber meinte am 2007/07/20 11:59:
Kommentar des Arbeitskreises Open Access der Leibniz-Gemeinschaft
Zu Klaus Grafs Blog-Eintrag „Leibniz-Gemeinschaft ignoriert Berliner Erklärung über Open Access für Kulturgut“ (13. Juli 2007)

Mit den anderen Wissenschaftsorganisationen gehört die Leibniz-Gemeinschaft zu den Erstunterzeichnern der Berliner Erklärung. Dieses Signal zeigt deutlich, dass die Leibniz-Gemeinschaft die Wichtigkeit des Themas Open Access (OA) erkannt hat und bestrebt ist, zu seiner Umsetzung im Sinne der Erklärung zu gelangen. Eine gemeinsame Arbeitsgruppe der Allianz-Organisationen trifft sich regelmäßig, um sich über aktuelle Entwicklungen zu unterrichten und gemeinsame Perspektiven zu entwickeln. Eine Frucht dieser Zusammenarbeit ist das gemeinsam konzipierte Sonderheft der Zeitschrift „Wissenschaftsmanagement“ zum Thema OA (http://www.lemmens.de/verlag/zeitschriften/wima_special_archiv/2006/special1_06_archiv.pdf).

Der Eindruck, das Engagement der Leibniz-Gemeinschaft für Open Access sei „deutlich verhaltener als das der anderen Wissenschaftsorganisationen“, entspricht nicht der Wirklichkeit. Der seit 2005 bestehende Arbeitskreis OA hat vom Präsidium der Leibniz-Gemeinschaft eine doppelte Aufgabe erhalten. Zum einen den Informations- und Meinungsbildungsprozess unter den Mitgliedseinrichtungen voranzutreiben, zum anderen eine einheitliche Politik der Leibniz-Gemeinschaft hinsichtlich OA dahingehend vorzubereiten, dass die Gremien der Gemeinschaft sich auf eine OA-Richtlinie verständigen und diese verabschieden können. Dieser Selbstverständigungsprozess läuft derzeit und soll mit der Verabschiedung einer OA-Richtlinie durch die Mitgliederversammlung möglichst im November 2007 zu einem Abschluss kommen, an den sich der Prozess der Umsetzung von OA in allen Mitgliedsinstituten anschließen soll.

Die Leibniz-Gemeinschaft ist als gemeinnütziger Verein ein Zusammenschluss wissenschaftlich, rechtlich und wirtschaftlich unabhängiger Wissenschaftseinrichtungen. Ein Thema wie OA ist daher auch nur über Diskussions- und Überzeugungsprozesse entlang der demokratischen Vereinsstrukturen umzusetzen; Ungleichzeitigkeiten sind bei der Vielzahl von Einrichtungen, Forschungsfeldern und Interessen unvermeidbar. Es ist daher zum jetzigen Zeitpunkt müßig, die einzelnen Leibniz-Mitgliedseinrichtungen auf ihren individuellen Grad der Umsetzung von OA hin zu befragen oder zu untersuchen: Das Ergebnis muss naturgemäß von Institution zu Institution unterschiedlich ausfallen, wie es die bisherigen Stichproben im Blog ja auch bestätigen.

Dass es Desiderate gibt, z.B. in der Frage, wie es mit dem offenen Zugang zu Archivalien, Bildmaterial etc. steht, ist unbestritten. Momentan liegt aber der Fokus der Leibniz-Gemeinschaft hinsichtlich OA vor allem auf wissenschaftlichen Publikationen und natur- oder sozialwissenschaftlichen Primärdaten, da diese für den Großteil der Leibniz-Institute von Belang sind und eine Umsetzung der OA-Richtlinie dort am schnellsten möglich scheint.

Ein kritischer Blick von außen – wie hier im Blog – ist hilfreich und kann zu einer Verbesserung der jeweiligen Angebote führen. Der laufende Prozess der Selbstverständigung und anschließenden Implementierung von OA in der gesamten Leibniz-Gemeinschaft wird davon sicherlich profitieren können. Sobald die Mitglieder der Leibniz-Gemeinschaft ihre gemeinsame OA-Richtlinie verabschiedet und mit ihrer Umsetzung begonnen haben sind dann auch die Voraussetzungen gegeben, dass sich die Leibniz-Gemeinschaft in Aktivitäten wie open-access.net einbringt. 
Ladislaus antwortete am 2007/07/20 12:40:
Weniger wohlwollend könnte man das auch so interpretieren, dass man durch Gründung immer neuer Kommissionen und Forderung immer neuer Richtlinen und Politiken Open Access so lange wie möglich auf die lange Bank schieben will. Es gibt ja kein besseres Mittel, eine bereits verabschiedete Erklärung auf Eis zu legen als erst mal eine Kommission zu gründen, die diese Erklärung dann interpretiert... 
KlausGraf antwortete am 2007/07/20 14:36:
Die Leibniz-Gemeinschaft tut nicht genug für OA
Für die Stellungnahme ist zu danken, auch wenn sie wenig mehr als unverbindliches Gewäsch bietet.

Festzuhalten ist: Die LG ist in der OA-Community so gut wie unsichtbar im Gegensatz zur MPG, Fraunhofer-G und Helmholtz-G, die eigene anspruchsvolle Webangebote realisiert haben.

Die Berliner Erklärung datiert von 2003. Vier Jahre später wird man - angesichts der stürmischen Entwicklung von OA in anderen Bereichen - nicht verlangen dürfen, dass man deutliche Zeichen der Unterstützung registriert?

Es ist offenkundig, dass OA von "oben diktiert" wird und in den Instituten der Sektion Geisteswissenschaften (und um die und insbesondere um die Museen geht es mir primär) selbst kaum Rückhalt hat, sieht man von der löblichen Ausnahme DIE ab.

Gerade das DIE zeigt doch, was man auch in den anderen Instituten hätte realisieren können, denn die in meinem Beitrag zum DIE geübte Kritik an den OA-Aktivitäten ist vergleichsweise marginal. 
Xarax antwortete am 2007/07/22 13:29:
"Für die Stellungnahme ist zu danken, auch wenn sie wenig mehr als unverbindliches Gewäsch bietet."

Dem kann ich nur zustimmen. Oktober 2003 wird die Berliner Erklärung abgegeben. September 2005 wird man sich bewusst, dass man die Erklärung nicht stillschweigend übergehen kann und gründet einen AK. November 2006 werden die "Ergebnisse" einer Onlinebefragung veröffentlicht in der nach knapp einem Jahr AK-Arbeit neun Thesen aufgestellt werden und eine Kennzahl veröffentlicht wird: "93 % der Befragten halten Open Access für wünschenswert". Für sich genommen eine interessante Zahl, wenn man von der "Unsicherheit bezüglich Verfahren und Konsequenzen" absieht, die sicherlich durch die Arbeit der AK ausgeräumt und geklärt wurden und berücksichtigt das diese Zahl einfach nur dahingeschmiert wurde und die eigentlichen Umstände der "Befragung" für Außenstehende nicht nachvollziehbar sind. Da sich aber bis heute nicht sonderlich viel getan hat und die Arbeit der AK leider im großen und ganzen im Dunkel bleibt, stelle ich die These auf, dass OA für die Institute der LG nur dann von Interesse ist, wenn der daraus folgende Wissenstransfer in die eigene Tasche geht und die eigenen Verwertungsinteressen nicht gefährdet werden.

Und noch eins, schon Ende 2006 hat meine Lieblingsthese mir ein Grinsen abgerungen: "Open Access ist als Medium des Publizierens zu wenig bekannt". Danke. 
 

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