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Herrschaftsarchive

Marienburg. - Sammlung von Briefen, Rechnungen etc. zum Bau des Schlosses Marienburg, gerichtet an den Bauleiter Ludwig Frühling. Ca. 500 Stück. 1860-63. Verschiedene Formate.

http://www.reiss-sohn.de/deu/index_book.html

Versteigert bei Reiss auf den Herbstauktionen. Bilder und umfangreichere Beschreibungen und Ergebnisliste wurden inzwischen entfernt, Kurzbeschreibungen der Stücke sind aber noch verfügbar.

Auktion 155/II

Papierne Memorabilien aus dem Königshaus Hannover

VI. Handschriften und Dokumente aus königlichem Besitz (Nr. 4855-4957)

VII. Bücher, Fotografien und Ephemera aus königlichem Besitz (Nr. 4958-5011)


Kann mir jemand erklären, wieso diese landesgeschichtlich wichtigen Dokumente, eindeutig Archivalien zur hausgeschichte des ehemals in Hannover regierenden Hauses in alle Welt zerstreut werden durften?

Wieso steht kein Welfenarchiv auf der Liste national wertvoller Archive in Niedersachen?

http://www.kulturgutschutz-deutschland.de/DE/3_Datenbank/Archive/Niedersachsen/niedersachsen_node.html

Das gewissenlose Verhalten der Welfen wurde hier schon des öfteren thematisiert, am umfangreichsten in:

http://archiv.twoday.net/stories/4026791/

Update:
http://archiv.twoday.net/stories/224319212/

http://www.landesarchiv-bw.de/web/54345

Durch eine Eheschließung im Jahr 1782 erwarben die Fürsten zu Hohenlohe-Ingelfingen, seit 1805 Hohenlohe-Oehringen, das Rittergut Oppurg in Thüringen. Zentrum der Gutsherrschaft war das Anfang des 18. Jahrhunderts errichtete Barockschloss Oppurg, das die Gemeinde bis heute beherrscht. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Besitz enteignet, die Archivalien kamen schließlich ins Hauptstaatsarchiv Weimar. Nach der Wiedervereinigung wurde das Rittergut Oppurg dem Fürsten zu Hohenlohe-Oehringen restituiert – inklusive des Archivs.

Mitarbeiter des Hohenlohe-Zentralarchivs Neuenstein und der fürstlichen Verwaltung überführten im Sommer 2012 die 42 Laufmeter Archivalien des Ritterguts von Weimar nach Neuenstein und nahmen den Bestand in die Reihe der Hohenloher Archivalien auf (Bestand Oe 222). Neben dem neuen Oppurger Bestand befinden sich mit der Obergrafschaft Gleichen bereits Unterlagen aus thüringischer Provenienz in Neuenstein (Bestände GL 30, 35 und 40).

Nach der Einlieferung der Oppurger Archivalien wurde das Weimarer Findmittel überarbeitet, im Findmittelsystem des Landesarchivs erfasst und online gestellt, so dass künftig Nutzer aus Hohenlohe und Thüringen einen gleichermaßen guten Zugriff auf die Erschließungsinformationen zu den knapp 4.000 Archivalieneinheiten haben.


Benutzer aus Thüringen werden überglücklich sein, dass sie nun über 330 km weiter zu den Archivalien fahren dürfen.


Adelsarchive - zentrale Quellenbestände oder Curiosa?, hrsg. von Andreas Hedwig und Karl Murk. Marburg : Hessisches Staatsarchiv Marburg 2009 (Schriften des Hessischen Staatsarchivs Marburg 22). 235 S. 28 EUR.

Inhaltsverzeichnis:
http://scans.hebis.de/22/20/40/22204087_toc.pdf

Hinweis:
http://archiv.twoday.net/stories/6127719/

Dass die Adelsgeschichte Konjunktur hat, darf als bekannt gelten. Die in den Händen der ehemals adeligen Geschlechter verbliebenen Archivalien sind, wie allgemein bekannt ist, alles andere als Curiosa, sondern zentrale Quellenbestände. Damit ist die im Titel des zu besprechenden Bandes gestellte Frage eindeutig beantwortet.

Der Sammelband, Ertrag einer Marburger Tagung am 30. Mai 2008, stellt die derzeit wichtigste Veröffentlichung zur Adelsarchivpflege dar. Er besteht aus einem Aufsatzteil und einem opulenten Bildteil mit 54 Farbabbildungen, der als Katalog zur Marburger Adelsausstellung 2008 bezeichnet wird. Dass ihm weder ein Register beigegeben ist noch eine Bibliographie zur Adelsarchivpflege ist wenig erfreulich. Unbefriedigend ist auch die Gliederung des Bandes, die Zusammengehöriges auseinanderreißt.

Nach drei einleitenden Beiträgen (Hedwig, Franke, Dallmeier) folgen Studien zur regionalen Archivpflege. Gegen Ende des Bandes gibt es noch zwei Aufsätze zum Quellenwert der Adelsarchive für die Fragestellungen der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte (Franke) und der Kulturgeschichte (Marburg).

Während Rückert die baden-württembergische Adelsarchivpflege darstellt, ist Bayern nur mit einem mäßig hilfreichen Artikel über Adelsarchivalien in der Landesausstellung "Adel in Bayern" (2008) vertreten. Verständlicherweise widmen sich mehrere Autoren den hessischen Verhältnissen: Heinemann stellt die Erschließungsprojekte von Greiffenklau zu Vollrads und Schütz von Holzhausen (beide im Wiesbadener Sprengel) vor, wohingegen zu den Marburger Projekten von Berlepsch und Schenck zu Schweinsberg Ausführungen von Arndt sowie von Freiin zu Berlepsch vorliegen. Heide und Dieter Wunder würdigen die Adelslandschaft Hessen.

Die führende Adelsarchivpflege des LWL-Archivamtes behandelt Teske, während Langbrandtner (Landschaftsverband Rheinland) das dem Zeitraum 1750-1850 gewidmete Adelsforschungsprojekt vorstellt. Zu den Flächenländern Rheinland-Pfalz (mit Saarland), Niedersachsen und Schleswig-Holstein gibt es keine eigenen Studien.

Drei Aufsätze thematisieren die schwierige Lage in den neuen Bundesländern: Höroldt schildert die Herausforderungen der Adelsarchivpflege nach Bodenreform und EALG, Brübach geht auf sächsische Erschließungsprojekte (von Einsiedel, von Schönberg, von Loeben) ein. Aus Benutzersicht behandelt Jandausch die Adelsarchive in Mecklenburg-Vorpommern.

Dass sich Archivalia immer wieder (in der Kategorie Herrschaftsarchive) kritisch mit der Situation und den Problemen der Adelsarchive befasst hat, wird in dem Sammelband gewürdigt, indem Archivalia an drei Stellen zitiert wird: S. 15 Anm. 6 von Franke zu den Problemen des Büdinger Archivs, S. 19 Anm. 9 von Dallmeier zur Analyse der personellen Strukturen der deutschen Adelsarchive (2007) und S. 31 Anm. 23 von Dallmeier zum Verkauf des Familienarchivs Bylandt-Rheydt.

Franke und Dallmeier sprechen die erheblichen Probleme der Adelsarchivpflege offen an, aber natürlich darf man eine schonungslose Analyse des weitgehenden Versagens der deutschen Bundesländer bei der Adelsarchivpflege nicht von ihnen erwarten.

Dass seit 2003 eines der wichtigsten Archive für den pfälzisch-nordwürttembergischen Raum, das Archiv der Fürsten von Leiningen zu Amorbach, für die Benutzung geschlossen ist, ist ein Skandal, der erkennen lässt, wie klein die Lobby der Landesgeschichte ist, wenn es um herausragende Quellenbestände geht. Es ist vor allem die schändliche Weigerung der bayerischen Archivverwaltung, die Betreuung zu übernehmen, in Verbindung mit der nicht weniger schändlichen Verantwortungslosigkeit der Eigentümerfamilie, die sich jahrzehntelang einen hauptamtlichen Archivar leistete, die einer vernünftigen Lösung im Wege steht.

Adelsarchive brauchen Schutz und sie müssen auch genutzt werden können. Für den Schutz wird die Kulturgutliste als ausreichend angesehen, aber das ist Unsinn. Alle erhaltenswerten Adelsarchive müssen in das Denkmalbuch des jeweiligen Landes eingetragen werden, was unter anderem bedeutet, dass in Nordrhein-Westfalen das Gesetz geändert werden muss, das die Eintragung von Archiven als bewegliche Denkmäler verhindert. Und es müssen in alle Landesdenkmalgesetze Formulierungen eingebracht werden, die auch die Nutzung der Archivalien durch die Allgemeinheit regeln. § 25a des rheinland-pfälzischen Denkmalpfleggesetzes ist da ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, wenn es in Absatz 2 heißt: "Die Denkmalschutzbehörden können auf Antrag der Landesarchivverwaltung bei Unterlagen von bleibendem Wert, die bewegliche Kulturdenkmäler und vor mehr als 30 Jahren entstanden sind, darüber hinaus einen besonderen kulturellen Wert haben oder für die Wissenschaft von besonderer Bedeutung sind und die im Eigentum von natürlichen oder juristischen Personen des bürgerlichen Rechts stehen, die Anordnung treffen, daß sie vorübergehend bis zu einem Jahr zur wissenschaftlichen oder archivfachlichen Bearbeitung von öffentlichen Archiven in Besitz genommen werden, wenn zu besorgen ist, daß diese Unterlagen einer angemessenen archivischen Nutzung entzogen werden sollen. Die Rechte Betroffener und Dritter auf Persönlichkeitsschutz sind dabei zu wahren. Sind Unterlagen in ihrer Erhaltung gefährdet, kann auch angeordnet werden, daß sie in öffentlichen Archiven verwahrt werden, bis die Eigentümer die erforderlichen Vorkehrungen zu ihrer Erhaltung getroffen haben."

Dies schließt eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Eigentümern nicht aus. Archive brauchen eine archivfachliche Betreuung. Allerdings ist nicht mehr damit zu rechnen, dass Adelsfamilien sich hauptamtliche Archivare womöglich mit einer Archivausbildung leisten. Wenn die Eigentümer nicht den Weg der Schenkung oder des Depositums gehen wollen (wobei Deposita immer rechtlich problematisch sind), muss alles dafür getan werden, dass entweder Gemeinschaftseinrichtungen, die das Vertrauen des Adels genießen (am besten funktioniert das Westfalen und auch im Rheinland), für die Betreuung des Archivguts zuständig sind oder Archivare des öffentlichen Archivwesens (Staatsarchivare, Kreisarchivare, Stadtarchivare). Da es sich um zentrale Quellenbestände handelt, müssen finanzielle Ressourcen zusammengetragen werden, um dauerhaft eine akzeptable Adelsarchivpflege sicherstellen zu können. Beispielesweise könnte man eine Stiftung denken, in die Eigentümer und öffentliche Hand sowie Stiftungen Gelder einzahlen und die sich auf auf Fundraising, womöglich auch auf Crowdfunding stützen könnte.

Wenn es gute Kontakte zum Adels gibt, dann müssen Archivare diese auch nutzen, um die nicht weniger wichtigen Adelsbibliotheken zu retten. Nur mit allergrößtem Abscheu kann ich die widerlichen Aussagen von Ulrike Höroldt S. 68f. lesen, die für Sachsen-Anhalt die "problemlose Rückgabe" von Stücken aus Adelsbibliotheken, die in den Dienstbibliotheken gelandet sind, als vertrauensbildende Maßnahme beschreibt. Auch wenn es sich um Einzelstücke handelt, so sind es Mosaiksteine zu einer Kulturgeschichte des Adels, die sorgsam dokumentiert werden müssen.

Dass die Archivare in den neuen Bundesländern, wo der kostenlose Nießbrauch nach dem EALG 2014 endet, die richtigen Schritte ergreifen, um die wertvolle Gutsarchivüberlieferung für die Öffentlichkeit zu sichern, möchte ich bezweifeln. Sie werden wohl genauso versagen wie ihre Kollegen im Westen.

adelsarchive

Jetzt im Staatsarchiv Ludwigsburg (mit etlichen Exlibris von Adelsbibliotheken)

http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=2-459835

Der Aufsatz von Kudorfer 1983 über die Exlibris der Bayerischen Staatsbibliothek und private Exlibrissammler ist übrigens schon seit längerem im Netz:

http://www.bsb-muenchen.de/Exlibris.3001.0.html

Ebd., S. 72 wird gesagt, dass die Sammlung des Frh. Koenig zu Fachsenfeld mit 10.000 Exlibris eine der größten deutschen Exlibris-Sammlungen darstellt.

Zu Exlibris siehe auch
http://archiv.twoday.net/stories/11445459/

http://www.landesarchiv-bw.de/web/53608

In Kooperation mit der Stadt Neuenstein und dem Hohenlohekreis veranstaltet das Hohenlohe–Zentralarchiv am 14. und 15. Juni 2012 in der Stadthalle in Neuenstein eine Tagung zur Bedeutung von Herrschaftsarchiven in Region und Wissenschaft.

Aus dem Programm:

Dr. Andreas Wilts, Donaueschingen: Lebendige Geschichte – ein Protrait [SIC] des Fürstenberg–Archivs in Donaueschingen

Wir erinnern uns: Aufgrund seiner unrühmlichen Rolle bei der Auflösung der Hofbibliothek Donaueschingen musste Wilts sein Amt im Baarverein aufgeben.

Statt eine unkritische Jubelveranstaltung zu inszenieren, sollte man lieber dafür sorgen, dass das seit vielen Jahren geschlossene Leininger Archiv endlich wieder benutzbar ist!

http://www.einsichten-online.de/2012/03/2527/

Kritik an einem Archiv zu üben, auf das man noch einmal angewiesen ist, ist wenig ratsam, da die Meinungsfreiheit hierzulande kaum etwas zählt.

Zur skandalösen Praxis der Beantwortung von Anfragen zum Handschriftenbestand des Hausarchivs siehe
http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/7140/pdf/Graf_Ruexner.pdf Anm. 47 (ja, es handelte sich um Hs. 22, was man in weniger als 5 Minuten am Archivale hätte feststellen können)

http://www.siwiarchiv.de/2012/02/adelsarchive-in-westfalen/#more-356

PS: Wer erwartet, dass das lesenswerte Blog im schmalbrüstigen Internetauftritt des Kreisarchivs Siegen verlinkt ist, täuscht sich!

http://www.vierprinzen.com/2012/02/depositalvertrag-mit-nichtexistenter.html

http://nachrichten.lvz-online.de/kultur/news/saechsisches-staatsarchiv-erhaelt-historisch-wertvolle-briefe-darunter-25-goethe-originale/r-news-a-117518.html

„Die Übernahme eines solchen Schatzes gehört zu den Sternstunden eines Archivars“, sagt Abteilungsleiter Volker Jäger in heller Begeisterung. Die Briefbände, allesamt an oder von den großherzoglichen Staatsmännern Jakob Friedrich von Fritsch und seinem Sohn Karl Wilhelm gesendet, würden sich wie ein „Who-is-Who der Weimarer Klassik“ lesen: Wieland, Herder, Humboldt, Hufeland, Goethe und andere Persönlichkeiten sind als Absender verzeichnet, auch ein Fragment von Schillers „Wilhelm Tell“ ist darunter.

Formell gehören die Schriftstücke zum Archiv des ehemaligen Ritterguts Seerhausen bei Oschatz, dessen Besitzer die besagten Freiherrn waren. 800 solcher Rittergutsarchive verwahrt das Sächsische Staatsarchiv, 270 davon in seiner Leipziger Außenstelle. Dass hier nun die Sammlung ergänzt werden kann, darüber ist die Freude groß. Gerade die nicht-amtlichen Schriftwechsel seien es, die staatliche Überlieferungen in allen Bereichen ergänzen könnten, erklärt Referentin Birgit Richter. „Rittergutsarchive sind Quellen der Geschichte unserer Region. Der Schlüssel zu diesen Schätzen liegt aber oft in privatem Nachlass.“

So ist es ein glücklicher Zufall, dass die Erbengemeinschaft der Von-Fritsch-Briefe im Herbst 2010 die Internetseite des Archivs durchsuchte und dabei die lückenhaften Seerhausener Aktenbände entdeckte. „Sie ist dann auf uns zugegangen mit dem Angebot, uns die Schriften zu überlassen“, erinnert sich Jäger. „Gegen eine symbolische Aufwandsentschädigung, die dem Verkaufswert der Briefe nicht ansatzweise nahe kommt.“ Wie die Briefe in die Hände der Erbengemeinschaft gelangt sind, lasse sich leider nicht mehr nachvollziehen, so Jäger.

Obwohl das Maldeghem'sche Gutsarchiv Niederstotzingen vom Land Baden-Württemberg erworben wurde, wurden jetzt wichtige Schriftstücke im Belgischen Handel angeboten. Vermutlich wurden sie schon vor dem Ankauf veräußert.

Mehr in meinem Beitrag auf G+ "Saustall im Landesarchiv Baden-Württemberg"
https://plus.google.com/u/0/117546351384071338747/posts/iyxHvKLkbYQ

Findbuch HStAS Q 31
https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/olf/einfueh.php?bestand=6830

Update: http://archiv.twoday.net/stories/59207534/

 

twoday.net AGB

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